WERKSTADT ZÜRICH

Urbane Produktion in den SBB Werkstätten

WERKSTADT ZÜRICH

Die SBB Areale im Gleisraum zwischen dem Zürich Hauptbahnhof und Altstetten gehören zu den letzten grossen Entwicklungsgebieten in der Stadt Zürich. Mit der anstehenden Transformation der SBB Werkstätten soll sich das 42’000 Quadratmeter grosse Gelände von einer Industrieanlage zu einem attraktiven Ort für die Kulturszene, gewerbliche und industrielle Innovationsbetriebe und Start-up Firmen entwickeln. Unter dem Namen Werkstadt Zürich wird in den kommenden 20 Jahren ein lebendiges Areal für Arbeit und Freizeit entstehen, das mit den angrenzenden Quartieren zu einem neuen Stadtraum zusammenwächst.

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URBANE PRODUKTION

Das produzierende Gewerbe und die Industrie haben sich in den vergangenen 100 Jahren vornehmlich am Rand der Städte niedergelassen. Mit dem Wandel von einer Industriegesellschaft hin zu einer vermehrt wissensbasierten Ökonomie, entstehen neue Bedürfnisse, Bedingungen und Möglichkeiten für innerstädtische Handwerks- und Produktionsstandorte. Urbane Manufakturen und Clean-Tech Unternehmen zeichnen sich zunehmend als wichtige ökonomische und ökologische Triebkräfte städtischer Entwicklung ab. In diesen neuen Arbeitswelten entstehen quartiernahe Arbeitsplätze für Handwerk, Service und hochspezialisierte Fachkräfte. Ökonomischer Erfolg, Innovationspotenzial und Synergien sind dabei oft an komplexe innerstädtische Lagefaktoren gebunden. Mit dem Projekt Werkstadt Zürich bietet sich die Möglichkeit, eine nachhaltige Mischung aus klassischem und innovativem Gewerbe, Dienstleistungs- und Freizeitangeboten direkt in Zürich zu etablieren. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich wird der Planungsprozess auf der heutigen Grundlage vorangetrieben. Die Stadt setzt sich weiterhin dafür ein, dass der «urbane Werkplatz der Zukunft» gute Rahmenbedingungen vorfindet. Dies gilt besonders für mittelständische und kleine Unternehmen, die dazu beitragen, dass Zürich über ein robustes wirtschaftliches Fundament verfügt, das über die Stadtgrenzen hinaus gut verankert ist.

TRANSFORMATION UND STÄDTEBAU

Die bauliche Struktur der Werkstattgebäude sowie die Lage an der Hohlstrasse und am Gleisraum bieten gute Voraussetzungen für die schrittweise Öffnung und Umnutzung des Areals. Wichtiger Bestandteil dieser Transformationsstrategie ist die Synergie zwischen der identitätsstiftenden, historischen Bausubstanz, der öffentlichen Nutzung der Aussenräume sowie der möglichen baulichen Verdichtung. Dahinter steht die Idee einer offenen, flexiblen Stadtentwicklung, die das Areal in mehreren Etappen und mit behutsamen baulichen Massnahmen auf neue Nutzungen und Herausforderungen vorbereitet und als Stadtraum mit dem angrenzenden Quartier verbindet.

GESCHICHTE

Um die bestehende Struktur des Areals historisch und qualitativ zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher: Die Hauptwerkstätten haben die gesamte Entwicklung der Eisenbahn in der Schweiz miterlebt: Von einstigen Dampflokomotiv-Revisionen bis hin zum heutigen Reparaturcenter, das für die Instandsetzung komplexer Schäden an  Schienenfahrzeugen der Division SBB Personenverkehr zuständig ist.

Der Standort der Hauptwerkstätten, das heutige Reparaturcenter Zürich-Altstetten, wurde 1898 ursprünglich in Dietikon geplant. Schwierigkeiten beim Landerwerb führten damals zu einer Verlegung nach Altstetten. Die heutige Anlage besteht aus mehreren historischen Bauabschnitten. Entlang der Hohlstrasse entstand 1905 das Verwaltungsgebäude mit einem Magazin. Es ist das älteste Gebäude auf dem Areal. In den Jahren 1910 und 1911 entstand nebenan das „Wohlfahrtshaus“ mit einem grossen Speisesaal für die Arbeiter im Erdgeschoss sowie Duschkabinen und Badezimmern im Souterrain. Das Gebäude der ehemaligen Holztrocknungsanlage bildet seit 1909 einen weiteren Bestandteil der Strassenfassade. Die Produktionsgebäude aus den Jahren 1910 bis 1919 bestehen aus einer Malereiwerkstatt, einem Revisionsgebäude für den Wagenunterhalt und einer Dreherei. Sie wurden in einem geräumigen Baukomplex im hinteren Teil des Areals angesiedelt.

Alle Gebäude auf dem Areal bilden als Bauensemble eine kompakte Stadtstruktur mit Strassen und Höfen. Das verbindende Element ist die einheitliche Materialisierung mit gelben Backsteinfassaden. Neben dem historischen Wert bilden diese Gebäude die Basis für zukünftige Nutzungen, die es sorgsam umzunutzen und zu ergänzen gilt. Teile des bis zu 100-jährigen Gebäudebestandes gelten als potenzielle Schutzobjekte. Dabei wird die künftige Architektur mit ihrer nachhaltigen Konstruktion und Materialisierung im engen Dialog mit den bestehenden Bauten stehen und auf die Bedürfnisse der Nutzer reagieren.

 

DER AUSSENRAUM

Ein besonderer Schwerpunkt der Transformation liegt auf der Umgestaltung der Aussenareale in öffentliche Begegnungszonen. Dabei sollen Orte entstehen, die zum Verweilen einladen. Zudem sollen die handwerklichen Aktivitäten in den Gebäuden zum Aussenraum hin geöffnet und sichtbar werden. Das Areal soll so ein inspirierender Ort für Arbeit, Freizeit und Erholung sein, der Aktivitäten unterschiedlichster Art erlaubt.

ENERGIE & NACHHALTIGKEIT

Mit der sorgsamen Entwicklung des Areals und dem Erhalt der bestehenden Gebäude und Infrastrukturen wird ein entscheidender Beitrag zur Energiebilanz des Projektes geleistet. Zwei Prämissen führen dabei zu einer nachhaltigen Gesamtlösung: Zum einen werden die bestehenden Gebäude modular mit den neu zu errichtenden Gebäuden vernetzt, um Nutzungssynergien für die Infrastrukturinvestition zu generieren. Zum anderen liegt der Fokus der Transformation auf der geringstmöglichen CO2-Emission für das gesamte Areal. Die in den Materialien eingelagerte „graue Energie“, die bei deren Herstellung aufgewendet wurde, wird dabei im CO2-Bedarf ebenso bilanziert, wie der Betrieb des Gesamtareals. Diese Vorgehensweise ermöglicht während der Transformation eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie. Nicht nur innovative Technologien allein, sondern auch verschiedene Nutzungsformen, die Materialisierungen und sozioökomischen Prozesse ergeben unter diesen Voraussetzungen ein nachhaltiges Energiekonzept.

MOBILITÄT

Vom Gleisanschluss bis zum E-Bike, vom Lieferdienst bis zum Car-Sharing: Mobilität verstehen wir als ganzheitliches Konzept. Nur eine sich ständig weiterentwickelnde Mischung aus traditionellen und innovativen Elementen ermöglicht nachhaltige Mobilität für Personen und Waren. Ziel  ist, unnötigen Energieverbrauch, Verkehrsaufkommen, Lärm und Schadstoffe bestmöglich zu vermeiden und Mobilitätssynergien in der Nutzung sowie Entwicklung des Areals zu fördern.

QUARTIER UND NACHBARSCHAFT

Das Areal versteht sich als Erweiterung des bestehenden Quartiers. Mit dessen Entwicklung und Öffnung vervielfältigen sich die Angebote und Möglichkeiten in den Bereichen der Arbeit,  Dienstleistung und  Freizeit. Die Transformation soll sich dabei im Dialog mit Nachbarschaft und Gewerbetreibenden entwickeln.

AKTEURE DER TRANSFORMATION

KCAP Architects&Planners

KCAP Architects&Planners bringt eine langjährige Erfahrung in der Transformation und Entwicklung von nachhaltigen städtebaulichen Grossprojekten mit.

www.kcap.eu

denkstatt sàrl

denkstatt sàrl arbeitet ausgehend vom Bestand und im Dialog mit dem Ort und seinen Nutzer*innen, u.a. an der Prozessentwicklung und Transformation von Industriearealen in der Schweiz.

www.denkstatt-sarl.ch

Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Studio Vulkan erachtet Freiraumplanung in städtischen Transformationsprozessen als Moderation von Widersprüchen, um neue Lösungsansätze zu formulieren und Potentiale auszuloten.

www.studiovulkan.ch

KEOTO

KEOTO plant und entwirft Energie und Nachhaltigkeitskonzepte für emissionsfreie Projekte, sowohl im Neubau, als auch bei der Transformation im Bestand, vom individuellen Gebäude, bis zum ganzen Quartier.

www.keoto.ch

BAKUS Bauphysik & Akustik

BAKUS Bauphysik & Akustik beurteilt die Nutzungsmöglichkeiten bezogen auf die unterschiedlichen Aussenlärmbelastungen.

www.bakus.ch

IBV Hüsler

IBV Hüsler vereint multimodale und projektspezifische Verkehrskonzepte mit urbaner Qualität im öffentlichen Raum.

www.ibv-zuerich.ch

SBB Immobilien

SBB Immobilien als Eigentümerin entwickelt das Areal nachhaltig und nachfrageorientiert weiter – immer mit den Bedürfnissen der Öffentlichkeit vor Augen. Damit bringt SBB Immobilien für die Gemeinden und Städte Mehrwerte, von denen alle profitieren.

www.sbb.ch/immobilien